Auch wenn Kaninchenpatienten bei uns selten sind, wollen wir auch hier auf dem Laufenden sein. Deshalb stand heute als Brainfood for Dinner Aktuelles zum Thema „Infektionskrankheiten beim Kaninchen“ auf dem Speiseplan.

PD Dr.med.vet. Thomas Goebel gab in seinem sehr gut strukturierten und präsentierten Vortrag ein Update zu den Infektionskrankheiten RHD, RHDV-2 und Myxomatose.

Myxomatose

Myxomatose ist eine weltweit verbreitete Kaninchenerkrankung, die sich, besonders bei warmen und feuchten Witterungsverhältnissen, seuchenartig ausbreitet. Virusreservoir sind Wildkaninchen, übertragen wird das Virus hauptsächlich durch Stechinsekten (Mücken, Milben, Zecken, Flöhe), aber auch eine direkt oder über z.B. Grünschnitt.

Nach einer Inkubationszeit von 4-10 Tagen entwickeln die Kaninchen entweder eine ödematöse Krankheitsform mit massiven Schwellungen im Gesichts- und Genitalbereich und aggressivem Verlauf, der in der Regel nach 1-2 Wochen durch eine bakterielle Sekundärinfektion tödlich verläuft. Oder sie entwickeln die mildere knotige Form, bei der die Tiere m.A. von Knoten in der Unterhaut, die geschwürig werden und aufbrechen, oft gesund erscheinen.

Die Erkrankung verläuft häufig tödlich, es gibt keine direkte Therapie und Tiere, die überleben, scheiden dauerhaft das Myxomatose-Virus aus und sind so eine Infektionsquelle für andere Kaninchen.

RHD (Rabbit Hemorrhagic Disease)

Die RHD kommt in zwei Formen vor: RHDV1, zum ersten Mal 1984 in China beschrieben, die aggressiv verläuft und in aller Regel tödlich ist.

Kaninchen, die an RHDV1 erkranken, werden vom Besitzer häufig morgens tot aufgefunden, nachdem sie abends noch kerngesund erschienen – Blutungen und Erstickungskrämpfe begleiten den perakuten Krankheitsverlauf.

Kaninchen, die an der zweiten Form der RHD, RHDV2 erkranken, versterben ebenfalls innerhalb eines Tages – die beiden Erkrankungsvarianten können anhand der Symptome nicht voneinander unterschieden werden. An RHDV2 erkranken bereits Nestlinge.
Es gibt keine direkte Therapie.

Beide RHD-Varianten werden von Viren verursacht, die durch direkten Kontakt über Kot, Harn, Speichel, Nasensekret oder den Deckakt genauso übertragen werden wie durch indirekten Kontakt z.B. über Kleider, Schuhe, Grünfutter und Arbeitsgeräte. Besonders bedeutende Übertragungswege sind Insekten, Schadnager, Wildvögel und Staub.

Wildkaninchen bilden auch bei RHD das Erregerreservoir, die Viren kommen deutschlandweit vor und sind in der Natur mehrere Wochen bis Monate infektionsfähig.

Schutz vor Myxomatose und RHDV1 / RHDV2

Die regelmäßige Impfung bietet sicheren Schutz für jedes Kaninchen. Kaninchen können ab der 10. Lebenswoche zeitgleich und ortsverschieden mit zwei Impfstoffen (RHDV1/RHDV2 und Myxomatose/RHD) geimpft werden – diese Impfung wird jährlich wiederholt.