Viele Pferde, vor allem Ponys und Vertreter der leichtfuttrigen Robustrassen, fressen zu viel und bewegen sich zu wenig.

Dadurch kommt es zu Übergewicht und zur Störung der hormonellen Balance, die dafür sorgt, dass der aus der Verdauung des Futters gewonnene Zucker Glucose mit Hilfe des Hormons Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, in die Körperzellen aufgenommen wird, wo er als Energieträger benötigt wird.

Die Körperzellen reagieren weniger empfindlich auf das Insulin, sodass in der Bauchspeicheldrüse des Pferdes ständig zu viel Insulin produziert wird und so der Insulinspiegel im Blut ständig erhöht ist, um die Aufnahme der Glucose in die Zellen zu gewährleisten. Diese zu hohe Insulinproduktion, die sich in einem zu hohen Insulinspiegel im Blut zeigt und die gleichzeitige Trägheit (Resistenz) bei der Aufnahme von Glucose in die Körperzellen wird als Insulinresistenz bezeichnet.

Diese Insulinresistenz ist zentraler Faktor des Equinen Metabolischen Syndroms, das klinisch vor allem in Form einer (wiederkehrenden) Hufrehe zeigt.

Diagnose

Spätestens beim Auftreten einer Hufrehe kann der Tierarzt durch eine Blutuntersuchung und ggf. durch einen Provokationstest diagnostisch absichern, ob eine Insulindysfunktion vorliegt.

Management

Hat das Pony/Pferd einen akuten Reheschub, wird dieser zunächst vom Tierarzt in Kooperation mit dem Hufschmied/Hufpfleger fachgerecht behandelt. Weitere Erkrankungen (z.B. ECS, Equines Cushing Syndrom) werden diagnostiziert und behandelt.

Dann definieren Tierarzt und Besitzer gemeinsam ein Behandlungsziel und entwickeln einen darauf abgestimmten Managementplan.

Ponys/Pferde haben gegenüber Menschen mit Typ II – Diabetes einen entscheidenden Vorteil: bei ihnen kommt es nicht zur dauerhaften Erschöpfung der Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse (deshalb haben Ponys/Pferde im Vergleich zu Typ II-Diabetikern i.d.R. auch keinen erhöhten Blutzuckerspiegel). Bei konsequentem Management kann sich deshalb die Regulation des Zuckerstoffwechsels dauerhaft und ohne Medikamente normalisieren.

Hierzu muss das Pony/Pferd Gewicht reduzieren und sich mehr bewegen.

Zunächst wird das Pony/Pferd gewogen und der Besitzer lernt, den Körperzustand seines Pferdes anhand der Kombination zweier Punktskalen richtig einzuschätzen. So hat er das Instrument, selbst zu überprüfen, ob und wie stark übergewichtig sein Pony/Pferd ist und später zu kontrollieren, ob die besprochenen Maßnahmen erfolgreich sind. Unterstützend kann ein Gewichtsmaßband eingesetzt werden, das zwar nicht zuverlässig das Gewicht des Ponys/Pferdes misst, aber Gewichtsverluste als Umfangsverluste dokumentiert.

Nun wird die Futterration des Ponys/Pferdes computergestützt so gestaltet, dass es ca. 0,5-1% Körpermasse pro Woche verliert und dabei dennoch mit allen notwenigen Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen versorgt wird. Der Einsatz von gesundheitsförderlichen Futterzusätzen kann hier berücksichtigt werden.

Gleichzeitig wird unter Beachtung des Gesundheitszustandes und der Haltungsbedingungen ein individueller Trainingsplan erarbeitet, der erheblich zur Gewichtsreduktion beiträgt und die Kondition des Ponys/Pferdes verbessert.

Besitzer und Tierarzt kontrollieren Verlauf und Erfolg anfangs engmaschig, sodass Anpassungen des Managementplans ggf. zeitnah erfolgen können.

Der Behandlungserfolg ist von einigen Faktoren abhängig, z.B.:

  • Wurde ein erreichbares Ziel definiert?
  • Wie ist der Gesundheitszustand zu Beginn der Therapie? Können weitere Erkrankungen ausgeschlossen werden bzw. werden behandelt?
  • Setzen der Besitzer und sein Umfeld (Familie, Stallbetreiber…) die besprochenen Maßnahmen konsequent um?
  • Klappt die Kommunikation zwischen den beteiligten Personen?

Können diese Fragen weitgehend mit „Ja“ beantwortet werden, können Ponys/Pferde häufig so gemanagt werden, dass ihr Insulinspiegel und ihr Gewicht in den Normalbereich zurückkehren und ihre körperliche Fitness deutlich steigt.

Um diesen Zustand stabil zu halten und weitere Reheschübe zu vermeiden, müssen Haltung, Bewegung und Fütterung des Ponys/Pferdes lebenslang im Auge behalten und sollten die Blutinsulinwerte im Rahmen der (mindestens) jährlichen Gesundheitskontrolle incl. Blutbild überprüft werden.