Es klingt zunächst ein wenig nach StarTrek, als Dr.med.vet. Janine Brunner den Kollegen, die am Donnerstag im Bürgerhaus in Telgte zusammengekommen sind, erzählt, wie sie und ihr Team in der Klinik von Equinox Healthcare in Linsengericht Krebserkrankungen beim Pferd mit Strahlentherapie behandeln.

Schnell weicht die Skepsis in den Blicken der Faszination. Kollegin Brunner erläutert versiert und begeisternd die Grundlagen der Strahlentherapie, die neben der Chirurgie und der Chemotherapie die 3. Säule der modernen Krebstherapie bildet und die im extra konzipierten Klinikgebäude im hessischen Linsengericht nun auch für Pferde möglich ist.

Mit einem modernen um 360° rotierenden Linearbeschleuniger werden je nach Anforderung Photonen- oder Elektronenstrahlen gemäß einem individuellen Behandlungsplan und mittels CT-gesteuerter millimetergenauer Lagerung des narkotisierten Patienten so exakt auf und in die zu behandelnden Tumore gebracht, dass umliegendes Gewebe weitgehend verschont bleibt. Durch die Bestrahlung wird die DNA der Tumorzellen geschädigt, die sich im Ruhezeitraum zwischen den täglichen Bestrahlungen im Gegensatz zu den umliegenden Körperzellen nicht erholen können, sondern absterben.

Behandelt werden neben Pferden mit den häufigen Tumorarten Melanom, Plattenepithelkarzinom und Equines Sarkoid auch Pferde, die aufgrund chronischer Schmerzen lahm sind. Die Schmerzbestrahlung kann beim Pferd zu einer deutlichen Verbesserung und Schmerzreduzierung führen.

Beeindruckend sind die Leistungen und Dimensionen, die für die Strahlentherapie bei Pferden erforderlich sind: Klinikgebäude, Beschleuniger und Behandlungstisch wurden extra zu diesem Zweck konzipiert und gebaut. Allein die Tür zum Strahlenraum wiegt 40 Tonnen, der Behandlungstisch ist mit einer Carbonplatte versehen, die am freien Ende (der Rotationsbeschleuniger rotiert 360° um den Tisch herum) eine Tonne Gewicht trägt. In der Zeit, die die Tür nach dem Bestrahlungsvorgang benötigt, um sich zu öffnen, wird die gesamte Luft im Bestrahlungsraum ausgetauscht…

Für jede Bestrahlung werden die Pferde vom Tierärzteteam der Klinik routiniert und sehr schonend in eine Kurznarkose gelegt. Anschließend werden sie auf den Behandlungstisch gelagert, in den Strahlenraum gefahren und CT-gestützt präzise unter dem Linearbeschleuniger positioniert. Die nun folgende Bestrahlung dauert wenige Minuten und ist für die Pferde absolut schmerzfrei. Anschließend werden die Pferde aus dem Strahlenraum in die Aufwachbox gebracht, wo sie nach kurzer Zeit aufwachen und aufstehen. Abhängig vom Tumor wird dieser Ablauf in der Regel drei- bis sechsmal an aufeinanderfolgenden Tagen wiederholt. Die Pferde bleiben in dieser Zeit in der Klinik und sind in einem modernen Stallgebäude mit Außenpaddocks untergebracht.

Frau Brunner hat uns beeindruckende Fallbeispiele mitgebracht, die den erfolgreichen Einsatz der Strahlentherapie beim Pferd aufzeigen.

Natürlich hat die Therapie mit einem solchen technischen Aufwand ihren Preis, aber die drei großen Versicherer übernehmen die Therapiekosten für die bei ihnen krankenversicherten Pferde.

Wir gehen an diesem Abend nach Hause mit großem Respekt vor den Leistungen und Möglichkeiten des Equinox-Teams und mit großer Freude darüber, dass diese Therapiemöglichkeit nun auch für unsere Pferdepatienten zur Verfügung steht.

P/C: Equinox Healthcare